DrachenChronik

Mittwoch 02. Dezember 2020


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br.de veröffentlicht einen Artikel über den Drachenlord:

Dauer-Opfer Drachenlord: Ist der Staat bei Mobbing machtlos?


Seit mehr als fünf Jahren geht es in einem winzigen Ort in Mittelfranken hoch her: Dorfbewohner Rainer W. genannt "Drachenlord" wird wegen seines Internet-Auftritts angefeindet - digital aber auch live vor Ort. Kann die Polizei nichts tun?
Zuhause bleiben und Kontakte vermeiden ist das Gebot der Stunde. Wegen Corona sollen die Menschen bis Weihnachten möglichst nur mit gutem Grund die eigenen vier Wände verlassen und andere treffen: Zum Arbeiten, Einkaufen, Frischluftschnappen. Andere Leute mit Hass überladen, dürfte hingegen nicht als triftiger Grund durchgehen. Dennoch treffen sich auch während der Pandemie weiterhin Menschen vor dem Haus von Rainer W., genannt Drachenlord, in einem fränkischen 42-Einwohner-Dorf. Dort rütteln sie an Zäunen, rufen, werfen mit Eiern oder Steinen, kurz: Überziehen den Drachenlord mit Hass. Seit mehr als fünf Jahren geht das nun so.

Ein kleiner Ort erlebt viel Trubel

Ein triftiger Grund für all den Hass ist kaum auszumachen. W. mag in Netzvideos teils leicht reizbar sein und bisweilen arrogant wirken, aber muss man daher einen ganzen Ort terrorisieren? Der Anti-Drachenlord-Hype ist schon längst zum Selbstläufer geworden, Hass um des Hasses Willen, dessen Ursprung vermutlich mittlerweile kaum noch einer kennt. Es ist ein real gewordener Traum pubertierender Jungs, ein Mix aus Randalen, Telefonstreichen und markigen Sprüchen. 2018 trafen sich bis zu 800 Menschen zum "Sturm" auf das Haus des Drachenlords. Hinzu kommen konzertierte Aktionen, gegen diejenigen, die nicht im Sinne der handeln oder sich äußern. So wurde die Bayerische Landesmedienanstalt vor einiger Zeit Drohungen und Hasskommentaren bombardiert, weil sie Drachenlords Livestreams nicht umgehend unterband - was seine Hasser gerne gesehen hätten. Bayerns Sicherheitsbehörden scheinen das Drachenlord-Problem nicht in Griff zu bekommen und zwar weder im Netz, noch in der Realität.

Behörden arbeiten ständig zusammen

Was macht den Kampf gegen Mobbing so schwer? Wir haben bei den zuständigen Behörden nachgefragt. Die Polizei Mittelfranken versucht der Lage mit verschiedenen Strategien Herr zu werden, wie sie auf BR24-Anfrage erklärt: Einerseits versucht man, proaktiv mit verstärkten Kräften größere Events der "Haterszene" an W.s Wohnort bereits vorab zu unterbinden, etwa zum Geburtstag von Rainer W. Anderseits reagiert man auf Hinweise von W. oder seiner Nachbaren und spricht Platzverweise aus. Sachbeschädigungen und Verstöße gegen das Infektionsschuttgesetz werden zudem strafrechtlich verfolgt. Polizei, Landratsamt und die Gemeinde sind dazu ständig im Austausch.

Kein Ende in Sicht

Eine nachhaltige Lösung der Probleme gestaltet sich hingegen offenbar schwierig. Zur Situation vor Ort erklärt die Polizei: "Eine polizeiliche Rund-um-die-Uhr Betreuung der Örtlichkeit 'Drachenschanze' in Altschauerberg ist aus Sicherheitsaspekten weder erforderlich, noch aus dienstbetrieblichen Gründen möglich." Letztlich sei zudem, so die Polizei, das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ein hohes Gut, auch bei den Äußerungen zum "Drachenlord" im digitalen Raum. Somit müsse in jedem einzelnen Fall geprüft werden, ob eine Aussage die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreite oder eben nicht - und das bei einer Flut an Postings in zahlreichen sozialen Medien. Das macht den Kampf gegen Cybermobbing im Fall Drachenlord schwer, zumal er durch die sozialen aber auch klassischen Medien immer bekannter wird, wie die Polizei Mittelfranken festhält.

Polizei rät zu digitaler Askese

Wer nicht Opfer von Cybermobbing werden will, kann sich letztendlich also vor allem selbst schützen, wie das Bayerische Landeskriminalamt gegenüber BR24 angibt. Es rät dazu, in sozialen Medien möglichst wenig über sich preiszugeben, wenige Bilder zu posten, Adressen und Telefonnummern für sich zu behalten und das Social-Media-Profil auf privat zu stellen. Wer dennoch zum Opfer wird, sollte sich laut LKA zudem vor allem in schweren Fällen an die Polizei wenden und Anzeige erstatten. Im besten Fall mit Beweismaterial wie Screenshots oder dem entsprechenden Kommentar oder Chat-Verlauf. Bei akuten Bedrohungen sollten Sie außerdem die 110 anrufen. Kinder und Jugendliche sollten laut Vorstellung der Ermittler am besten nur zusammen mit ihren Eltern oder anderen Vertrauenspersonen auf SMS und E-Mails antworten. Sollten unerwünschte Bilder oder Fake-Profile auftauchen, kann außerdem eine Lösch-Anfrage an den Betreiber der Plattform helfen. Außerdem verweist das LKA auf Opfer-Unterstützungsvereine wie den Weißen Ring. Die Organisation ergänzt auf ihrer Website, dass Opfer von Cybermobbing nicht auf Angriffe und Beleidigungen reagieren, sich Hilfe und Unterstützung suchen und im Zweifel Profil oder Handynummer wechseln sollten.

Und reales Mobbing?

Neben Mobbing, das im Internet stattfindet, gibt es natürlich auch Mobbing, das in der realen Welt beginnt - und dann sich dann vielleicht ins Netz ausdehnt: in der Klasse oder am Arbeitsplatz etwa. Hier hilft letztlich vor allem Unterstützung bei entsprechenden Stellen zu suchen: Das Bayerische Kultusministerium rät zuerst den Klassenlehrer informieren, am besten mit Informationen wie einem Tagebuch der Mobbing-Ereignisse und Screenshots. Auch Schulpsychologen, Beratungslehrer sowie Staatliche Schulberatungsstellen können kontaktiert werden. Bei Mobbing auf der Arbeit rät der Deutsche Gewerkschaftsbund den Betriebsrat, der Personalräte, Frauenvertreter oder die Gewerkschaft anzusprechen. Erklären Sie möglichst sachlich und schnörkellos die Lage und warten Sie nicht zu lange ab, in der Hoffnung, dass ein Lehrer oder Chef das Mobbing von alleine bemerkt. Davon, den Mobbing-Täter oder seine Eltern direkt zu kontaktieren, rät das Kultusministerium hingegen ab.

Tags: presse  artikel  zeitung  


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